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Bürger für Kultur
Freundeskreise in Kunst und Kultur als Ausweis einer aktiven Zivilgesellschaft

Die Tradition bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland reicht weit zurück: im 18. Jahrhundert entwickelte sich mit den ersten Kunstvereinen, den Literarischen Gesellschaften und der Bürgerlichen Konzertbewegung  eine große Vielfalt privaten Engagements in Deutschland. Bis heute engagieren sich Bürger und Bürgerinnen in ungezählten Freundes- und Förderkreisen in allen Sparten für die Kultur. Sie sammeln Geld, stellen Know-how und Zeit zur Verfügung, werben für die Institutionen und sind Multiplikatoren. Ihr persönliches Engagement ist für Theater, Bibliotheken, Museen, Konzerthäuser und Opern aber auch Festivals in Deutschland unverzichtbar – zumal sie in der Diskussion um die öffentliche Förderung wichtige Argumente liefern.

Die Bedeutung von Freundes- und Förderkreisen nimmt nicht zuletzt durch die finanziell angespannte Situation vieler Kulturinstitutionen zu, darüber hinaus spielen sie eine wichtige Rolle für die Publikumsgewinnung und die Vermittlungsarbeit der Kulturinstitutionen. Gerade in Zeiten, in denen die Kultur im politischen Diskurs nicht an erster Stelle zu stehen scheint, sind Freundeskreise eine wichtige Stimme für die Kultur, Botschafter für die kulturelle Vielfalt in unserem Land und Ausweis einer gelebten Zivilgesellschaft.

Freundeskreise – unabhängig davon, für welche Art Kulturinstitutionen sie sich engagieren – sehen sich in ihrer täglichen Arbeit mit ähnlichen Fragestellungen konfrontiert und stehen vor vergleichbaren Herausforderungen. Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V. hat sich gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Freundeskreise im Forum Zukunft Berlin e.V. dieses Themas angenommen und erstmals am 20. Januar 2006 ein bundesweites und Kultursparten übergreifendes Symposium für Förder- und Freundeskreise in der Kultur „Wie man sich Freunde schafft…“ im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin veranstaltet.
300 Teilnehmer aus ganz Deutschland – vom Bäckerei- und Brauerei-Museum in Kulmbach über die Nordwestdeutsche Philharmonie Herford bis hin zur Kunsthalle Hamburg – waren zugegen.  Der enorme Zuspruch und das rege Interesse der Teilnehmer an den unterschiedlichen Themen, die über den Tag diskutiert wurden, zeigten deutlich, dass ein hoher Bedarf an Erfahrungs- und Informationsaustausch besteht. Drei Themenbereiche hat das Symposium herausgegriffen: Steuern und Recht, Marketing und Kommunikation sowie Cultural Governance.

Steuern und Rechtsfragen

Förder- und Freundeskreise befinden sich heute in einem Spannungsverhältnis zwischen ideellen Beweggründen und der Notwendigkeit, ihren Mitgliedern Anreize und Gegenleistungen zur Mitwirkung zu bieten und damit in Konflikt mit dem geltenden Gemeinnützigkeitsrecht zu geraten. In seinem Vortrag warnte Sascha Voigt de Oliveira, Rechtsanwalt und Steuerberater KPMG Berlin, eindringlich davor, den Mitgliedern in Freundeskreisen geldwerte Vorteile für ihre Mitgliedschaft zu bieten, da dies die steuerliche Abzugsfähigkeit der Mitgliedsbeiträge insgesamt gefährdet. Die Freundeskreise haben sich vielmehr der Herausforderung zu stellen, für ein anderes Verständnis von Mitgliedschaft zu werben, nachdem der Mitgliedsbeitrag ein Förderbeitrag für die Institution ist.   
Hans-Georg Oelmann, Schatzmeister der Freunde der Nationalgalerie und Steuerberater / Wirtschaftprüfer in Berlin, belegte die steuerrechtliche Situation, in der Freundeskreise agieren, anschaulich am Beispiel der MOMA-Ausstellung und ihrem einzigartigen auch finanziellen Erfolg, der dem Freundeskreis Einnahmen in Millionenhöhe bescherte. Auch wenn dies ein Ausnahme-Beispiel und nicht so ohne weiteres übertragbar ist, zeigt es anschaulich, welche Möglichkeiten ein findiger Steuerrechtler – z.B. über eine vorbildliche Trennung von ideellem Bereich, Zweckbetrieb und wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb – zum Nutzen des Freundeskreises und vor allem seiner Institution ausschöpfen kann. Beide Vortragenden wiesen darauf hin, dass im Dschungel des Gemeinnützigkeitsrechts Freundeskreise gut daran tun, sich professioneller Unterstützung zu versichern und durch Absprachen mit den Finanzämtern im Vorfeld die Vorgehensweisen abzustimmen.

Leitfaden für Freundes- und Förderkreise für Kunst und Kultur

Insbesondere durch die Übernahme von Vorstandsfunktionen tragen viele Bürger eine große Verantwortung auch für hauptberuflich tätiges Personal, umfangreiche Etats und die korrekte Verwendung gemeinnütziger Mittel. Um sowohl denen, die einen Freundeskreis gründen möchten, als auch jenen, die seit langem in einem solchen engagiert sind, Instrumente an die Hand geben, mit denen sie ihre Arbeit effektiv und erfolgreich gestalten können und sie über die steuerlichen Anforderungen ausführlich zu informieren und ganz praktische Hilfestellung zu geben, hat der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft mit fachlicher Unterstützung der KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG und der Steuerabteilung des BDI einen „Leitfaden für Freundes- und Förderkreise“ herausgegeben. Er ist für 14,90 € zu bestellen bei Books on Demand GmbH, Norderstedt ISBN: 3-8334-4107-0. www.bod.de.

Die Hürden des Gemeinnützigkeitsrechts prägen die tägliche Arbeit in vielen Freundeskreisen. Eine Reform des Gemeinnützigkeitsrechts, wie sie Bundesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung ankündigt und wie sie der Kulturrat gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden politisch vorbereitet und vorantreibt, begrüßen wir daher sehr und unterstützen sie als Kulturkreis.

Marketing und Kommunikation

Förder- und Freundeskreise bieten eine hervorragende Plattform für die aktive Mitgestaltung des Kunst- und Kulturlebens. Heute gilt es mit Blick auf die Entwicklung einer zukunftsfähigen Bürgergesellschaft einmal mehr darum, Menschen als Förderer und ehrenamtlich Engagierte zu gewinnen. Damit dies gelingt, müssen die Förder- und Freundeskreise neue Wege gehen, neue Ideen und Strategien entwickeln. In der Vergangenheit war es für einen angesehenen Verein mit einem hohen gesellschaftlichen Renommee, der sich für eine lokal verankerte Kulturinstitution engagiert, vergleichsweise leicht, neue Mitglieder zu gewinnen. Es ging darum, dazu zu gehören. Heute haben sich die Motive der freiwillig Engagierten jedoch verändert: Sie wollen stärker projektbezogen, vielleicht nur zeitlich befristet mitarbeiten, sie suchen nach Möglichkeiten einer aktiven Beteiligung und fordern Gestaltungsspielräume und Anerkennung ihres Engagements ein. Gleichzeitig ist die Zahl der Förder- und Freundeskreis gestiegen und damit  hat sich die Konkurrenz um ihre Mitwirkung verstärkt.

Stephan Balzer, Sprecher der AG Freundeskreise im Forum Zukunft Berlin und Inhaber der Kommunikationsagentur Red Onion veranschaulichte in seinem Vortrag, wie wichtig Kommunikation und Marketing für die erfolgreiche Arbeit von Freundeskreisen ist. Diese fängt bereits auf der Internetseite der zu unterstützenden Kulturinstitution an: Noch viel zu selten sind jene guten Beispiele, bei denen man auf der Welcome-Page der Kulturinstitution bereits auf den eigenen Freundeskreis hinweist und zu weiteren Informationen führt. Das Verhältnis zwischen Kulturinstitution und Freundes- oder Förderkreis ist nicht immer konfliktfrei: große Potenziale werden dadurch verschenkt. Eine gemeinsame Strategieentwicklung und ein vertrauensvoller, offener Umgang der Kulturinstitution und der Fördereinrichtung sind wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Vorgehen – gerade in Zeiten knapper Kassen und zunehmender Konkurrenz.

Cultural Governance

Marianne Berendse, Kunst & Zaken (Kunst & Wirtschaft), Holland, referierte zu einem Thema, das in Deutschland im Kulturbereich bisher nur wenig bis gar nicht diskutiert wird: Cultural Governance. In Holland ist dieses Thema bereits seit mehr als 5 Jahren Diskussionsthema und Gegenstand von zahlreichen Studien. Die Organisationsform der niederländischen Kulturinstitutionen als Stiftungen machte es notwendig, sehr grundlegend über das Verhältnis zwischen Vorstand / Aufsichtsräten und künstlerischer Leitung nachzudenken, Aufgaben und Entscheidungsprozesse genau zu definieren und Transparenz zu schaffen. Damit entspricht die Cultural Governance in vielem der Corporate Governance des privatwirtschaftlichen Sektors. Viele Anregungen konnten die Teilnehmer aus den Ausführungen von Frau Berendse für die interne Struktur von Freundeskreise mitnehmen, mindestens so interessant aber ist das Thema der Cultural Governance für die Kulturinstitutionen selbst, zumal wenn in ihnen zunehmend die öffentliche Hand und die private Seite zusammenwirken.  

Der Kulturkreis nimmt den Erfolg und den Zuspruch des Symposiums zum Anlass, das Thema weiter zu vertiefen. Wir wollen gemeinsam mit der AG Freundeskreise des Forums Zukunft Berlin und dem Hauptförderer des Symposiums, der Deutsche Bank AG, die Akteure zusammenführen, die Aktivitäten in diesem Bereich bündeln und planen u. a. eine Folgeveranstaltung. Für Anregungen und Ideen sind wir dankbar und offen. Hinsichtlich einer Reform des Gemeinnützigkeitsrechts werden wir mit den Freundeskreisen, den Kulturinstitutionen, den Kulturverbänden, den Fachleuten und der Politik weiter im Gespräch bleiben.  
Auf der Internetseite www.freundeskreise-kultur.de werden Sie ab Ende  Februar weiterführende Informationen finden - darunter auch die Vorträge der Referenten des Symposiums.


Karin Heyl, Annette Brackert
Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V.