StartKontaktImpressumSitemap
AG FreundeskreiseSymposiumStatement

Symposium 2017
Symposium 2015
Symposium 2013
Symposium 2011
2009
2008
2007
2006
ProgrammPräsentationenImpressionenPressestimmen

Freunde mit Geld gesucht

Ein Berliner Symposion über private Kulturförderung

 

Daß Amerika auch bei der privaten Kulturfinanzierung den Deutschen einen Schritt voraus sei, ist eine verbreitete Vorstellung. Aber sie ist bestenfalls zum Teil wahr. Denn längst unterstützen auch hierzulande Privatleute Theater, Museen und Opern. Besonders Freundes- und Förderkreise bringen in Zeiten, da der Staat auch der Kultur die Zuwendungen kürzt, dringend benötigtes Geld auf. Das Symposion "Wie man sich Freunde schafft . . .", organisiert von der AG Freundeskreise des Forums Zukunft Berlin und dem Kulturkreis der deutschen Wirtschaft, suchte unlängst in Berlin mit Hilfe von Fachleuten eine Bestandsaufnahme dieses deutschen Freundeskreiswesens zu erstellen und mögliche Lösungen für die gemeinhin als schlecht empfundene Situation zu entwickeln.

 

"Manchmal ist es beinahe unmöglich, auf der Internetseite eines Theaters oder Museums Informationen über den Freundeskreis zu bekommen. Häufig fehlt sogar ein Verweis auf dessen Seite", faßte Stephan Balzer, Sprecher der AG Freundeskreise, die Ergebnisse zusammen. Er hätte auch sagen können: Es hapert am Einfachsten. Denn nicht die Abwesenheit der meist als eingetragene Vereine agierenden Kreise ist das Problem, sondern deren Öffentlichkeitsscheu. Balzer riet dringend dazu, "eine Person mit Marketing-Know-how" in den Vorstand zu wählen. Über die Aktivitäten der Förderer zu informieren, Interessenten den Eintritt in den Verein zu erleichtern und den Nachwuchs heranzuführen seien wichtige Aufgaben, um das Ansehen der Förderer aufzupolieren und die Kommunikation dem heutigen Stand anzupassen: "Das Image der Förder- und Freundeskreise ist völlig veraltet."

 

Der Verweis auf den Nachwuchs ist eine Konsequenz aus den Mitgliederstrukturen vieler Förderkreise. Sie sind wie das Image selbst: veraltet. Die meisten Förderer stehen nicht mehr am Anfang ihrer Laufbahn, sondern mittendrin oder am Ende. Verständlich also, daß der Schatzmeister des Berliner Vereins der Freunde der Nationalgalerie, Hans-Georg Oehlmann, in seinem Referat die "Jugendabteilung" seines Vereins, den Stoberkreis, pries. Dabei blieb jedoch unerwähnt, daß dessen sechzig Mitglieder nur sechs Prozent der Nationalgaleriefreunde ausmachen. Wie sollen diese sechs Prozent die Arbeit eines Vereins mitbestimmen, der im Jahr 2004 immerhin eine der erfolgreichsten Kunstschauen in Deutschland, die MoMa-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie, organisiert hat? Zumal der Vorsitzende des Vereins, Peter Raue, noch andere Schwächen erkennt. Er befürchtet, daß der Verein im Zuge des Rückgangs staatlicher Unterstützung zum "einzigen Financier eines Museums wird", zum "unheimlichen Direktor der Nationalgalerie", der sowohl das Geld eintreibt als auch bestimmt, welche Kunst damit erworben wird.

 

Ganz unberechtigt ist Raues Sorge nicht. Wortmeldungen aus dem Publikum belegten während der Tagung, daß ein reicher und dadurch mächtiger Freundeskreis wie der der Berliner Nationalgalerie eine Ausnahme ist und nicht überall ein Vorbild. Der Intendant der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford, Andreas Kuntze, etwa erklärte, er erwarte von Freundeskreismitgliedern nicht nur Spenden: "Von den einen wollen wir Geld, von den anderen aber nur ihre gute Laune."

 

Gleichgültig, ob ein Freundeskreis als finanzielle oder als ideelle Stütze dient: Einig waren sich die Teilnehmer des Symposions, daß der Aufwand, einen Förderverein zu führen, durch Vorgaben des Gesetzgebers unnötig erschwert werde. So ist die Unterscheidung zwischen Förderung und Sponsoring eine der kniffligsten Fragen, die es zu klären gilt. Und das, obwohl man, wie im Sport, zunehmend den Eindruck gewinnt, daß Unternehmen die Lufthoheit über die Kultur längst erlangt haben. Firmenlogos sind genauso Teil des Programmheftes wie die Liste der Darsteller. Banner in Konzerthallen fallen kaum mehr auf, ebenso die Namenspatenschaft von Radiosendern bei kulturellen Großveranstaltungen. Um auch im kleinen Rahmen den Konflikt mit dem Gesetz von vornherein zu vermeiden, empfahl der Rechtsanwalt Sascha Voigt de Oliveira, vor der Gründung eines Freundesvereins den zuständigen Finanzbeamten zu kontaktieren. "Ideal wäre es natürlich, wenn der auch noch Mitglied im Verein wird", fügte er halb im Scherz hinzu.

 

In den Vereinigten Staaten kennt man Fördervereine dagegen nicht. Dort wenden sich die Geldgeber direkt an eine Kultureinrichtung wie etwa das "John F. Kennedy Center for the Performing Arts" in Washington. Für das Development Office des Centers treibt Jim Steichen seit Juli 2001 zusammen mit fünfzig Kollegen Geld ein, etwa fünfzig Millionen Dollar pro Jahr. "Wir könnten sogar noch zehn Mitarbeiter mehr vertragen", erklärte der Amerikaner in Anspielung auf die zeitintensive Arbeit der Spenderbetreuung. "Die Leute wollen etwas für ihr Geld. Bei uns gibt es zum Beispiel einen Parkservice. Wenn Sie mit dem Auto kommen, parken wir es für sie." Der amerikanische Unternehmergeist, dem selbstverantwortliches Handeln und weitgehende Unabhängigkeit von staatlichen Geldern über alles geht, sei verantwortlich für diese Form des Gebens und Nehmens. Auch in Großbritannien verläßt man sich nur ungern auf den Staat als Geldgeber. Russell Jones, Direktor der Association of British Orchestras, betonte die wachsende Bedeutung individueller Spenden, schließlich würden alle EU-Länder mit Ausnahme Norwegens Einschnitte der Kulturetats erwarten. Dennoch riet er den deutschen Teilnehmern, nicht alles Staatliche zu verdammen: "Seid stolz auf die öffentliche Finanzierung. Das ist euer Modell, also bleibt dabei." Auf einem Spielfeld, dessen Eckfahnen und Seitenlinien die Geschmäcker der Spender sind, können sich die Künste eben nicht ganz so frei entwickeln wie auf der freien Wildbahn des deutschen Kulturbetriebs.

 

DOMINIK SCHOTTNER

 

Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main