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„Wie man sich Freunde schafft …“

Bericht vom dritten Symposium zu Förder- und Freundeskreisen der Kultur am 11. April 2008 in Berlin

 

Zum dritten Mal in den vergangenen drei Jahren organisierte die Arbeitsgruppe Freundeskreise der Stiftung Zukunft Berlin im April 2008 ein Symposium zu Förder- und Freundeskreisen der Kultur: „Wie man sich Freunde schafft …“.

 

Der Untertitel „Unternehmen Freundeskreis“ lässt bereits ahnen, dass es bei der Unterstützung regionaler Kultureinrichtungen durch engagierte Bürger um mehr geht als freundlichen Zuspruch, Geld sammeln und Wissen einbringen. Die gezielte Gegenüberstellung von Unternehmen und Freundeskreisen zeigte auf, dass effiziente Strukturen und professionelle Arbeitsweise auf die Arbeit in Freundeskreisen übertragbar sind – besser: sein müssen. Nachhaltiges bürgerschaftliches Engagement in Form von ehrenamtlicher Arbeit ist nur mit dem nötigen Know-how möglich. Diskutiert wurden von den Teilnehmern das Verhältnis von Kultur und Wirtschaft zueinander, und das von privater und öffentlicher Kulturförderung. In Workshops zu den Themen Erbschafts-Fundraising, Management, Verwaltungsdatenbanken und Steuerrecht wurde ins Detail gegangen. Ein aktuelles Thema war die Reform des Gemeinnützigkeitsrechts. Für die Vertiefung des Hauptthemas des Symposiums sorgten auf den Podien je ein Vertreter eines Freundeskreises und – anders als bei den ersten beiden Treffen – zwei Experten. Auch wurden diesmal alle vier Workshops jeweils zwei Mal angeboten, so konnte sich jeder Teilnehmer im Verlauf der Tagung zu zwei Themen informieren. Die Freundeskreise sollten möglichst mehr als bisher beraten werden.

 

Das bundesweite ehrenamtliche Engagement der Bürger in über 1000 Förder- und Freundeskreisen für örtliche Kultureinrichtungen wird bei knappen öffentlichen Kassen zur unverzichtbaren Stütze für Theater, Museen, Konzerthäuser oder Bibliotheken. Rechnet man die Zeitspenden der Bürger in Geld um, betragen diese mehr als 10 Milliarden Euro – das ermittelte die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages, die von 2002 bis 2007 tagte. Dazu kommen noch ein bis zwei Milliarden Euro aus Geldspenden, Mitgliedsbeiträgen und Sponsoring.

 

VORTRÄGE

 

●   „Hilfen für Helfer - wie Bund und Länder die private Kulturförderung unterstützen”
Lydia Westrich MdB, Mitglied der Enquetekommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages (2002-2007)

 

Welche „Hilfen für Helfer“ es gibt, wie Bund und Länder die private Kulturförderung unterstützen legte Lydia Westrich, Bundestagsabgeordnete und Sprecherin der SPD-Arbeitsgruppe zur Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ dar. Mit dem neuen Gesetz zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements hat der Gesetzgeber im Juli 2007 weitgehende Änderungen im Gemeinnützigkeits- und Spendenrecht zugunsten von ehrenamtlichen Helfern, Vereinen und Stiftungen beschlossen. Das Gesetz trat rückwirkend zum 1. Januar 2007 in Kraft. So wurde beispielsweise die Höchstgrenze beim Spendenabzug angehoben und vereinheitlicht, besondere Vergünstigungen bei der Kapitalausstattung von Stiftungen ausgebaut und der so genannte Übungsleiterfreibetrag erhöht. Auch bürokratische Hemmnisse für Ehrenamtliche wurden abgebaut. Der Sonderausgabenabzug für Mitgliedsbeiträge an Kulturfördervereine kann künftig auch bei Gegenleistungen geltend gemacht werden.

 

Lydia Westrich machte in ihrem Vortrag auch deutlich, dass diese und zukünftige gesetzliche Änderungen nur dann positive Wirkung erreichen werden, wenn Stiftungen und Vereine in ihrem Engagement nicht nachlassen und vorhandene Hilfsangebote ausschöpfen.

 

●   Kultur und Wirtschaft - Spannungsfeld oder Chance für die Zukunft?
Hans-Joachim Frey, Generalintendant Theater Bremen, Vorstandsvorsitzender des Forum Tiberius / World Culture Forum Dresden

 

Dort, wo Kultur besonders stark gefördert wird, gibt es weniger soziale Probleme und Fremdenfeindlichkeit, erläuterte Hans-Joachim Frey, Gründer des Internationalen Forums für Kultur und Wirtschaft. Er begann seine Ausführungen mit einem weiten Blick in die Zukunft. Bis zum Jahre 2050 werden sich die wirtschaftlichen Machtachsen verschieben, Globalisierung und das veränderte Zusammenwirken der Länder mit bekannten und neuen Problemen forderten schon jetzt neues Denken und neue Maßnahmen. Mit der Wirtschaft und der neuen Generation in einen frischen Dialog zu treten, sei das Gebot der Stunde. Keine Wirtschaft ohne Kultur? Keine Kultur ohne Wirtschaft? Das wird weiterhin zu diskutieren sein, unter anderem – auf höchster europäischer Ebene – beim „World Culture Forum“ im November 2008 in Dresden, als Vorstufe zum Weltkulturgipfel 2010. Die Notwendigkeit kultureller Vielfalt soll wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Zudem wird zurzeit ein Kulturwirtschaftsplan von Kulturstaatsminister Bernd Neumann erstellt, auf den man gespannt sein darf.

 

●      „Fundraising als Finanzierungssäule der Kulturförderung"
Becky Ann Gilbert, Leiterin “Corporate Sponsoring and Fundraising” an der European School of Management and Technology (ESMT) Berlin und Vorstandsmitglied des Deutschen Fundraising Verband

 

Für die Amerikanerin Becky Ann Gilbert gehört „Friendraising“ zum Fundraising unmittelbar dazu. Sie ist seit 2007 Head von Corporate Sponsoring and Fundraising an der European School of Management and Technology (ESMT). In Ihrem Vortrag „Fundraising als Finanzierungssäule der Kulturförderung“ betonte sie u.a. den emotionalen Aspekt der Freundeskreis-Arbeit. „Freundschaft ist immer eine emotionale Angelegenheit. Mittelfristige Freundschaften baut man nicht über Nacht auf“, sagte sie und machte den Freundeskreisen Mut, in die Öffentlichkeit zu gehen. Großen wie kleinen Projekten mit Modellcharakter räumte sie besonders große Chancen auf eine großzügige Förderung durch Spenden und Sponsoring ein. Beispiele gebe es genug: die Restaurierung der Staatsoper Berlin oder die Initiative zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses – ehrgeizige Ziele. Beiden Freundeskreisen ist es bereits jetzt gelungen, eine große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen.

 

 

WORKSHOPS

 

Ob dicke oder dünne Freundschaften – es braucht Verwaltungsdatenbanken, um diese Freundschaften zu pflegen und professionell zu verwalten, denn jede Gabe ist willkommen. Brigitte Kohlenberg, Diplom-Betriebswirtin und Organisationsberaterin aus Düsseldorf erklärte, an welche Aspekte bei einer sinnvollen Datenverwaltung gedacht werden muss, wie diese miteinander verknüpft sein müssen und welche Probleme entstehen, wird so eine Datenbank nicht fachgerecht verwaltet. Insgesamt sind etwa zehn brauchbare Datenbanken auf dem Markt, die für eine Klientel ab 50 Personen entwickelt wurden. Alle genügen den speziellen Anforderungen wie beispielsweise Dankesschreiben, Spendenquittungen, Lastschrifteneinzug, Serienbriefe, Beitragsrechnungen, Verbuchung von Zahlungen und Spenden, eine Abo-Verwaltung oder Bilanzen und Statistiken. Am Modell der ausgefeilten Software von OPTIGEM konnten intelligente Softwarelösungen für Gemeinden und gemeinnützige Werke deutlich gemacht werden, die Preise liegen von 2.000 € bis 34.000 €, kein Pappenstiel für kleinere Kulturinstitutionen.

 

Vereinsmeierei ist in Deutschland eher ein Schimpfwort, immer noch haben Vereine ein verstaubtes Image. Unter dem Begriff Management wurden die Möglichkeiten gezielter Vereinsarbeit ins rechte Licht gerückt. Dazu gehört, und sei ein Verein noch so klein, eine professionelle Verwaltung und Personalführung, effiziente Organisationsplanung bei der haupt- und ehrenamtlichen Führung, strategischen Managementkonzepte, strukturiertes Controlling und durchdachte Buchhaltung, der wirkungsvolle Einsatz von Ehrenamtlichen und vieles mehr. „Professionelles Mitgliedermanagement ist für einen Erfolg der Freundeskreisarbeit entscheidend“, sagte Stefanie von Knop. Sie ist Unternehmerin und Koordinatorin der sehr erfolgreichen ehrenamtlichen Gruppe „Pro K20K21“ der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. „Erfahrung, Freude und soziale Kompetenz in der Personalführung sollten Vorraussetzungen sein.“

 

Das Steuerrecht war schon immer eine knifflige Materie und ist es noch. Da fallen Worte wie Betriebsausgaben und Sponsoringerlass; man kämpft mit jeder Menge Abkürzungen, Paragraphen und fragt sich immer wieder, ob die Vielfalt ausgeklügelter Steuerregelungen nicht gleichzeitig abschreckt und den ehrenamtlichen Eifer bremsen, denn ohne Fachkenntnisse oder fachliche Beratung bleibt der Stoff geheimnisvoll. Komplizierte Sachverhalte und Fachsprache bleiben mit Sicherheit weiterhin eine Hürde. Sascha Voigt de Oliveira, Rechtsanwalt und Steuerberater ist ein gefragter Referent auf derartigen Symposien und versteht es, komplizierte Sachverhalte so einleuchtend wie möglich darzustellen. Gemeinsam mit Ingo Graffe vom rheinland-pfälzischen Ministerium der Finanzen und Peter Aulmann, Festspielhaus und Festspiele Baden-Baden führte er die Teilnehmer durch den Workshop zum Steuerrecht.

 

Beispielswiese sind Spenden immer ohne Gegenleistung, während Sponsoring deutliche Absprachen und klare Verträge braucht. Abbildungen von Logos z.B. können sehr unterschiedlich ausgelegt werden und nichts wäre schlimmer, als wenn eine Institution die finanzielle Unterstützung doch nicht erhält, nur weil die Größe einer Anzeige oder die Farbe einer Schrift nicht exakt abgesprochen wurde. Eine aktuell ausgearbeitete Broschüre zum Gemeinnützigkeits- und Spendenrecht des Landes Rheinland-Pfalz ist abrufbar unter:  http://www.fm.rlp.de/Service/Infomaterial/Service_Infomaterial.asp

 

Immer wichtiger wird das Thema Erbschafts-Fundraising. Knut Mikoleit, Abteilungsdirektor der Dresdner Bank AG, Leiter Stiftungsmanagement/Vermögensplanung und Rechtsanwalt Roland Bergfeld, beide aus Frankfurt am Main, machten die interessierten Teilnehmer auf Wege und Möglichkeiten aufmerksam, um dem Vorgang des Gebens auf die Sprünge zu helfen. Warum spenden Menschen? Oder warum spenden sie nicht? Jährlich werden in Deutschland 200 Milliarden Euro vererbt, dem Staat fließen jährlich 400 Milliarden Erbschaftssteuer zu, vielfach fehlen Testamente oder sie sind mangelhaft. Der Dialog mit den jetzt bereits 60 bis - 80jährigen Spendern und Mäzenen muss erneuert werden, deren Bereitschaft, sich auf ihre alten Tage durch Spenden und Stiften zu verwirklichen oder gar unsterblich zu machen, erneut geweckt werden. Jedoch: das Werben um testamentarische Zuwendungen ist heikel und erfordert eine sensible Behandlung. Mit rechtzeitiger, solider und präziser Planung kann Erbschafts-Fundraising zum Erfolg führen und einer Kulturorganisation langfristig große Spendensummen einbringen. Ein besonderes Instrument in diesem Zusammenhang ist der Einsatz von persönlichen Stiftungen. Doch wer weiß, was eine unselbstständige Treuhandstiftung ist, eine eigene rechtsfähige Stiftung oder eine Zustiftung? Der Aufklärungsbedarf ist auch beim Thema Erbschafts-Fundraising weiterhin erheblich. Freundeskreise als Unternehmen, Freunde als Unternehmer zu betrachten scheint ein wesentlicher Schritt in der Akzeptanz und Aufwertung der ehrenamtlichen Arbeit zu sein.

Bundestagspräsident Norbert Lammert bekräftigte in seiner Rede zum Abschluss des Symposiums die Rolle der öffentlichen Kulturförderung: „Eine Stärkung bürgerschaftlichen Engagements werden wir überhaupt nur erreichen können, wenn damit auch die Zuverlässigkeit auf öffentliche Finanzierung verbunden ist.“ An der öffentlichen Finanzierung ließ Lammert keine Zweifel: „Wir haben eine erstaunliche Stabilität in den öffentlichen Ausgaben für Kulturförderung.“ Dies begründete Lammert damit, dass Bund und Länder in den vergangenen Jahren mehr für Kultur ausgaben, während viele Kommunen ihre Ausgaben im gleichen Zeitraum gekürzt hätten.

Gleichzeitig erinnerte Lammert daran, dass die Kultur zu den sogenannten „freiwilligen Ausgaben“ in den öffentlichen Haushalten gehört und es deshalb für Bund, Länder und Kommunen keine gesetzliche Verpflichtung zur Kulturförderung gibt. Ein „Kulturstaat“ wie die Bundesrepublik könne mit seiner großen Zahl von kulturellen Einrichtungen und Angeboten nur dann bestehen, wenn die öffentlichen Ausgaben durch private Förderer ergänzt werden. Lammert lobte in diesem Zusammenhang die Arbeit der Freundeskreise. Veranstaltungen wie das Symposium könnten einen wertvollen Beitrag zur Vernetzung und Professionalisierung der Freundeskreise leisten.

 

Erstellt von: Uta Petersen, Korrespondentin Kulturmanagement Network

 

 

Weitere Informationen:

 

Stiftung Zukunft Berlin: http://www.freundeskreise-kultur.de

 

Das Gesetz Hilfen für Helfer: http://www.lydia-westrich.de/arbeit_2_7.html

 

World Culture Forum / Weltkulturgipfel: http://www.forum-tiberius.de/forum/de/index.php?id=5&sid=-1

 

Pro K20K21“ der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: http://www.kunstsammlung.de/de/info/pro-k20k21.html

 

Beratung bei Stiftungsgründungen: http://www.stiftungsagentur.de/?gclid=CPuws4fv4ZICFSENZwodPSVtcg

 

10 Merkmale einer Bürgerstiftung:

http://www.die-deutschen-buergerstiftungen.de/index.php?strg=2_4_41&baseID=41&PHPSESSID=9eqvmje52q5pe505976tpi6cc5

 

Broschüren zum Thema Steuerrecht, Erbschaften und Schenkungen, Freistellung vom Zinsabschlag bei Vereinen, Gemeinnützige Vereine: http://www.fm.rlp.de/Steuerrecht/Fragen_und_Antworten/Gemeinnuetzigkeits_und_Spendenrecht.asp

 

Optigem: Softwarelösungen für eine effektive Gestaltung und Abwicklung der Adress- und Spendenverwaltung, der Buchhaltung sowie allen Aspekten des Versandes: http://www.optigem.com